Sternstunde Philosophie. Ferdinand von Schirach: Vom Fremdsein in der Welt

Ferdinand von Schirach irritiert und begeistert sein Publikum seit Jahren. Lakonisch und kühl schildert er, was sich abspielt, wenn ein Mensch zur unfassbaren Tat schreitet. Dabei ist der ehemalige Strafverteidiger überzeugt: Es gibt zwar die schreckliche Tat, das grausame Verbrechen – die unmenschliche Bestie jedoch gibt es nicht. Vielmehr tragen wir alle Gutes und Böses in uns, Schattierungen von Grau. Wenn die Situation eskaliert, dann meist, weil jemand keine Heimat mehr findet in der Welt. Das hat weitreichende Konsequenzen fürs Strafrecht. Vorstellungen von Sühne und Rache hält von Schirach einem Rechtsstaat nicht angemessen; die Strafe ist allein als Präventionsmassnahme zu rechtfertigen