101 Reykjavik

«101 Reykjavik», der am Filmfestival Locarno 2000 ein Publikumshit war und an den Nordischen Filmtagen Lübeck den Preis der kirchlichen Interfilm-Jury erhielt, ist eine humorvolle Hommage an eine Jugend im winterlich kalten Reykjavik. Ein junger Mann von 28 Jahren, dessen Mutter noch immer die Unterwäsche – leuchtend orange – besorgt, hat Mühe, erwachsen zu werden. Hlynur, der Antiheld dieser schrägen Komödie, der in der ersten Einstellung bei Schneefall auf einem Feld liegt und geniesserisch eine Zigarette raucht, hat offensichtlich weder ein Lebensziel noch die Absicht, eines zu finden. Er ist ganz einfach ein Rumhänger, dem auch der Gang zum Arbeitsamt eine Qual ist, was angesichts der engen kleinbürgerlichen Verhältnisse als zusätzliche Merkwürdigkeit erscheint. So fragt man sich, was oder wer ihn denn endlich mit der Lebenswirklichkeit konfrontieren kann. Dass es die attraktive, sinnliche und lesbische Spanierin ist, die sich als Freundin seiner Mutter entpuppt, gehört zum schwarzen Humor des Films, der von einer moralisierenden Beurteilung der Geschichte wohltuend befreit.

Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien

«101 Reykjavik», Island 2000, Regie: Baltasar Kormakur, Besetzung: Victoria Abril, Hilmir Snaer Gudnason, Hanna Maria Karlsdottir, Baltasar Kormakur, Verleih Xenix, Zürich.