In the Bedroom
Jedes Wort, das man über den Inhalt dieses leisen Meisterwerks verrät, ist ein Wort zuviel. «In the Bedroom» zwingt uns immer wieder, den Blickwinkel genau dann zu wechseln, wenn wir uns behaglich zurücklehnen. Die Ausgangslage, wenigstens sie sei verraten: Ein wunderschöner Sommer in Maine geht seinem Ende entgegen. Und Frank muss sich entscheiden, ob er die Romanze mit Natalie um eine Zwischensaison verlängern oder doch wie geplant sein Architekturstudium beginnen soll. Dieser Entscheidung sehen seine Eltern, Matt und Ruth, der Arzt und die Musiklehrerin, mit einiger Sorge entgegen, schliesslich wohnt ihr einziger Sohn noch immer in seinem Kinderzimmer, zu jung und zu unschuldig für Natalie, die geschiedene, alleinerziehende Mutter mit ihrem undurchsichtigen und lästigen Ex-Mann. Und dann tauchen wir anstatt in den zunächst verheissenen milddramatischen Sommernachtstraum in die schlimmste Sorte von Albtraum ein, jene, die so nahe am Alltag bleibt und unsere Koordinaten dennoch so heillos durcheinander bringt, dass wir im Wachzustand noch stundenlang unser Leben neu ordnen. Wir möchten endlich unsere Ruhe haben und einen angenehmen traumlosen Schlaf schlafen, und doch werden wir unerbittlich gezwungen, immer wieder unsere Augen zu öffnen. Aber wir bleiben «In the Bedroom» eines alternden Ehepaares gefangen und dazu verdammt, ihren Ritualen der Selbstzerstörung zuzuschauen. Nachdem auch die einzige scheinbar konventionelle Suspense-Szene anders endet, als erwartet, enthüllt die allerletzte Einstellung die Topographie dieses Albtraums: Immer wieder sind wir durch das Eingangstor nach Camden geraten, aber erst jetzt sehen wir, wo sich dieser Horror abspielt – in einem putzigen, pittoresken und stinknormalen amerikanischen Kleinstädtchen. Eine Totale, die uns schaudern lässt, weil wir lange genug dort festsassen, wo ein anständiger Mensch nie freiwillig hingeht: «In the Bedroom» eines stinknormalen amerikanischen Ehepaares.
Thomas Binotto
scriptorium@binotto.ch
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«In the Bedroom», USA 2001, Regie: Todd Field, Besetzung: Sissy Spacek, Tom Wilkinson, Nick Stahl, Marisa Tomei, William Mapother, Verleih: Frenetic Films, Bachstrasse 8, 8038 Zürich, Telefon: +41 (0)1 483 06 60, Fax: +41 (0)1 483 06 61, E-Mail: mailto@frenetic.ch, Internet: http://www.frenetic.ch, Internet: http://www.miramaxhighlights.com/inthebedroom
