Samsara
Nach einigen Dokumentarfilmen (zuletzt «Ayurveda») hat der Inder Pan Nalin mit europäischen Mitteln seinen ersten Spielfilm realisiert. Gedreht wurde er im Ladakh, jener abgelegenen Region im Norden Indiens, die für Ausländer noch bis 1975 kaum zugänglich war: Auf über 4500 Meter zeigt sich dem westlichen Auge eine fast unberührte grossartige Berglandschaft von seltener Schönheit.
In dieser Landschaft bewegt sich eine Gruppe buddhistischer Mönche unter Leitung des alten Apo. Sie sollen den seit drei Jahren in einer abgelegenen Höhle meditierenden Tashi ins Kloster zurückbringen, in dem er aufgewachsen ist, damit er seiner Berufung gemäss die höheren Weihen empfängt. Doch bald zeigt sich, dass Tashi weniger ins Kloster als vielmehr in die Welt zurückgekehrt ist. Nicht nur sein Geist ist erwacht, er wird sich auch seines Körpers bewusst, hat sexuell motivierte Träume und begegnet beim Erntedankfest im benachbarten Dorf der schönen Pema mit begehrendem Blick.
«Gewisse Dinge müssen wir besitzen, bevor wir auf sie verzichten können» sagt sich Tashi in Erinnerung an Buddha, der bis zu seinem dreissigsten Lebensjahr ein weltliches Leben geführt hat. Und so zeigt uns der Film in starken bunten Farben und fast zu schönen Bildern, wie Tashi das Mönchsgewand ablegt, heiratet, Familienvater wird, als Bauer arbeitet, den Getreidehändler als Betrüger entlarvt und im Dorf Initiativen entwickelt, die nicht unumstritten sind.
Die Jahre vergehen, und nachdem Tashi Gelegenheit hatte, mit einer attraktiven und verführerischen Wanderarbeiterin die hohe Kunst des Kamasutra auszuüben, kommt die Liebesgeschichte zu ihrem Höhepunkt. Tashi beginnt sich wieder auf seine Berufung zu besinnen und tritt den schmerzvollen spirituellen Weg zurück ins Kloster an. Das wird eindrücklich gezeigt, aber nicht ohne kritische Rückfrage: Die Frau, die Siddharta verlassen hat, wer hat je an sie gedacht?
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
«Samsara», Deutschland/Frankreich/Italien 2001, Regie: Pan Nalin, Verleih: Filmcoopi Zürich AG, Heinrichstr. 114, 8005 Zürich, Telefon: +41 (0)1 448 44 22, Fax: +41 (0)1 448 44 28, E-Mail: info@filmcoopi.ch, Internet: http://www.filmcoopi.ch, http://www.samsarafilm.com
Kinostart: 20. Juni
