Happy Times

«Der Kern des Films besteht aus einer liebevollen Betrügerei», sagt der chinesische Regisseur Zhang Yimou über seine bittersüsse und zugleich hintergründige Komödie in einem Interview. Der pensionierte Fabrikarbeiter Zhao gibt vor, ein florierendes Hotel mit Massagesalon zu besitzen. Er will damit seine Freundin davon überzeugen, dass er noch immer eine gute Partie ist. In Wirklichkeit ist er mausarm, und sein Hotel «Happy Times» ist nur ein mit greller Farbe übertünchter, abgewrackter Bus. Die erste Lüge zieht viele andere nach sich, und in das Lügennetz gerät auch die 18-jährige, blinde Stieftochter der auserkorenen Braut Zhaos, die als Masseuse jobbt und das als Trinkgeld gedachte, wertlose Papier zunächst willig entgegennimmt. Aber der Schwindel entgeht ihr nicht.

Ein Jahr lang musste Zhang Yimou darauf warten, dass die Zensur den subtil inszenierten Film freigab. Offenbar kann die Geschichte, in welcher Wohlstand vorgetäuscht und ein blindes Mädchen für dumm verkauft und ausgebeutet wird, auch als politische Parabel verstanden werden. Aber wichtiger war dem Filmemacher, die gesellschaftlichen Veränderungen darzustellen. Verglichen damit, dass alle nur nach Konsum streben und für die meisten nur zählt, wie viel Geld jemand hat, ist für ihn das Lügengebäude, das der Pensionär Zhao im Film errichtet, eine Rückkehr zu den traditionellen Werten Chinas.

Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien

«Happy Times», China 2000, Regie: Zhang Yimou, Verleih: Fox-Warner, Zürich, Internet: hppt://http://www.fox.ch

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