Elephant

Der amerikanische Grenzgänger Gus Van Sant, der zwischen Mainstream wie dem oskarprämierten «Good Will Hunting» und Independent-Filmen pendelt, wendet sich nüchtern dem gewaltsamen Alltag amerikanischer Jugendlicher zu. In «Elephant» zeigt er die Ereignisse rund um das Highschool-Massaker von Columbine. Aus verschiedenen Perspektiven schildert er in fiktiven Szenen den möglichen Ablauf dieser Gewalteskalation. In einer brillanten Komposition von Kamerafahrten nimmt uns der Regisseur mit in ein Schulareal. Atmosphärisch bewegen sich hier die Jugendlichen in einem Raum zwischen Spital und Leichenschauhaus.

Dieser bedeutet zumindest für einen Teil der Schüler kalte Verlorenheit und permanente gegenseitige Verdrängung. Van Sant gibt keine Erklärungen, wie es zu dem Massaker kam. Vielmehr macht er den belastenden und frustrierenden Teil der Schulerfahrung erlebbar und stellt Bezüge zum Leben der Jugendlichen her. Die beiden Täter sind in den Einstellungen vor allem in ihrer sozialen Isolierung und in ihrer Orientierungslosigkeit dargestellt. Darin sind sie den anderen Kids, die zufälligerweise zu Opfern werden, zum verwechseln ähnlich. Gus Van Sant gelingt es, im Widerspruch zwischen Ablehnung und Faszination der Gewalt einen Raum zu öffnen, der neue Zugänge bietet. Der Film dramatisiert nicht, er nimmt nicht Stellung sondern zeigt multiperspektivisch und mit grosser Glaubwürdigkeit, was Gewalt im Alltag bedeutet.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Elephant», USA 2003, Regie: Gus Van Sant, Besetzung: Jugendliche Laiendarsteller, Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Website des Schweizer Verleihers Frenetic mit Hintergrundinformationen für Lehrkräfte, weiterführenden Internetlinks und Bildern: http://www.frenetic.ch/elephant/elephant.htm

Filmkritik im Medienheft:
http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k20_MartigCharles_2.html