Hörspiel. «Der menschliche Makel» (1/2) von Philip Roth
Coleman Silk, Professor der Altphilologie, nennt ironisch zwei unbekannte Studentinnen, die sein Seminar schwänzen, «dunkle Gestalten»; zufälligerweise sind es Schwarze. Diese Petitesse aus dem Alltag der moral correctness setzt eine Geschichte in Bewegung, die an die Grundfesten des amerikanischen Selbstbewusstseins rührt. Angegriffen und schwer beschädigt quittiert der Professor den Dienst, verliert seine Frau, isoliert sich und wird im Alter von 71 Jahren durch die Begegnung – «die erlösende Verschmutzung», wie Coleman es nennt – mit der fast 40 Jahre jüngeren Putzfrau Faunia ins Leben zurückgeworfen. Viagra hat geholfen … Philip Roth hat die grandiose amerikanische Mythologie von der «Beweglichkeit des Ichs» noch einmal in Szene gesetzt; den Traum, das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Keine der dargestellten Identitäten, die nicht irgendwelche Kampfspuren mit ihrer Herkunft an sich tragen würde
