Evangelische Perspektiven. Maria Magdalena – die umstrittenste Frau im Neuen Testament

Im Mittelalter galt Maria Magdalena als «Sünderin», die von Jesus gerettet wurde. Im 20. Jahrhundert machten Skandalromane sie zur Geliebten oder Ehefrau Jesu. Erst in jüngster Zeit beginnt man nach ihrer wahren Rolle zu fragen. Aufschluss darüber geben u.a.  «apokryphe Evangelien», die bis ins 19. Jahrhundert verschwunden, verboten oder vergessen waren. Zu ihnen gehört das gnostisch geprägte «Evangelium der Maria». Es schildert Maria Magdalena als Frau von grosser Spiritualität, die mit Jesus tief verbunden war und die Ideale ihres Meisters besser verstand als viele seiner männlichen Schüler. In den Texten spiegeln fiktive Streitgespräche zwischen Petrus und Maria Magdalena Konflikte des frühen Christentums: Jesu Jünger ringen um Machtpositionen. Maria Magdalena setzt dem gegenüber auf Liebe und Erkenntnis. 2016 würdigte Papst Franziskus die Rolle der Frau aus Magdala neu und stellte sie als «Apostola Apostolorum» auf gleiche Höhe mit den Jüngern Jesu