Evangelische Perspektiven. Mitleid zwischen Gefühl und Verstand

Das Wort «Mitleid» scheint aus der Mode zu kommen. Einerseits hat es den Beigeschmack von einer Gefühligkeit, die wirksames Handeln blockiert. Andererseits scheint es eine Schieflage zwischen Gebern und Empfängern zu manifestieren und Hilfsbedürftige dadurch zu degradieren. Auch in der medizinischen und seelsorgerlichen Ausbildung hat Mitleid keinen guten Stand, denn dort gilt in der Regel nicht das Mitfühlen, sondern die Fähigkeit zur emotionalen Abgrenzung als wichtige Voraussetzung für professionelles Engagement. Kann man sich Mitleid einfach abgewöhnen? Oder hat die traditionelle, religiöse Tugend auch vernünftige Seiten, die neu erarbeitet werden müssen?