Evangelische Perspektiven. Opfer der Nachkriegszeit
Medikamente statt Zuwendung, Strafen statt Nächstenliebe – der Alltag in deutschen Kinderheimen – kirchlichen wie staatlichen – sah in der Nachkriegszeit düster aus. Kinder wurden massenweise verwahrt statt individuell versorgt. Ruhigstellen mit Medikamenten, nächtelanges Einsperren oder Schläge waren an der Tagesordnung. Schätzungen zufolge waren über 800’000 Kinder bis Anfang der 1970er betroffen. Im Nachgang einer öffentlichen Bitte um Entschuldigung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 2011 leistet die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Pionierarbeit: Sie hat die Vergangenheit ihrer Kinderheime in den Jahren zwischen 1945 und 1975 so umfassend aufgearbeitet wie bislang keine andere Landeskirche. Doch stellt sich die Frage, woher die menschenverachtende Haltung gegenüber Heimkindern tatsächlich kommt
