Lebenslinien. Die Perle – kein Märchen

Therese Bruckmeier, Jahrgang 1907, war als Älteste von vier Geschwistern in den Notzeiten des 1. Weltkriegs aufs Land geschickt worden. Nach der Schule beschwor sie ihre Mutter, sie etwas lernen zu lassen. Doch bald sollte sie Geld verdienen und dafür die Wohnungen fremder Familien in Ordnung halten. Ein Hausmädel in Stellung hatte damals praktisch keine Rechte und daher oft Ärger mit den Herrschaften. Ihre Rettung waren drei unverheiratete Beamtinnen, die dringend Hilfe im Haushalt brauchten. Sie ermutigten Therese aber auch, sich aus ihrem grossen Bücherschrank mit Lesestoff zu bedienen. Als nach dem 2. Weltkrieg der Bruder der drei Frauen aus England in den Münchner Haushalt zurückkehrte und eine Familie mitbrachte, wurde Therese noch mehr zur unentbehrlichen «Perle». Das Porträt entstand 1998, ein Jahr vor Therese Bruckmeiers Tod, und hält die Erinnerung an ein denkwürdiges Frauenschicksal des 20. Jahrhunderts wach