Wissen. Elias Canetti «Masse und Macht»
«Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes.» Mit diesem Satz beginnt eines der faszinierendsten Bücher des 20. Jahrhunderts: «Masse und Macht» von Elias Canetti. Es erschien 1960 und markiert die Schwelle von den Menschenmassen der Geschichte zum heutigen Massenmenschen. Die Grundidee dieser essayistischen Untersuchung wird bis heute kontrovers diskutiert: Der Mensch, so Canetti, überwinde die Todesangst nur in der Masse, und diktatorische Machthaber hielten sich nur durch Massen an Toten. Das Buch entstand unter dem Eindruck der Nazi-Herrschaft und sollte für Canetti vor allem eines sein: ein Menschheits-Buch gegen den Faschismus. Ausgerechnet in Deutschland jedoch wurde der spätere Literaturnobelpreisträger damit kaum beachtet. Dabei lohnt es, seine Gedanken gerade heute wieder neu zu entdecken
