Evangelische Perspektiven. Sorben und Wenden
Wir haben uns daran gewöhnt, einen wilden Indianerstamm am Amazonas, Rentiernomaden in der Tundra oder abgeschiedene Bergbewohner als «Indigene» zu bezeichnen. Und übersehen dabei die indigenen Völker vor der eigenen Nase. In Deutschland leben seit dem sechsten Jahrhundert, also vor der Gründung des deutschen Staates, die Sorben als «autochthones» Volk, sprechen eine eigene Sprache, folgen eigenen kulturellen Traditionen und pflegen ein Sozialsystem, dass in matriarchaler Tradition steht. Das Verhältnis zur Natur ist besonders, das Gleichgewicht allen Lebens steht im Mittelpunkt des Handelns. Doch die Sorben wurden im feudalistischen, kaiserlichen, nationalsozialistischen und stalinistischen Deutschland kolonisiert, assimiliert und christianisiert. Im 21. Jahrhundert erinnern sie sich an ihre Herkunft und beginnen, um die Anerkennung als eigenes Volk zu ringen: mit eigenem Parlament, eigener Bildung, eigener Regierung, eigenen religiösen Traditionen
