La pazza gioia

Beatrice ist affektiert, ungehalten, entstammt der High Society und redet ohne Punkt und Komma. Donatella hüllt sich in düsteres Schweigen und einen schwarzen Kapuzenpulli. Auf den ersten Blick haben Beatrice und Donatella nichts gemeinsam – ausser Depressionen. In einer Einrichtung für psychisch kranke Frauen in der Toskana treffen die beiden aufeinander. Eher unverhofft als beabsichtigt nehmen die beiden Reissaus und ein wahnwitziger Roadtrip beginnt.

Auf dem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie erzählt der italienische Regisseur Paolo Virzi von einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Er begleitet seine Protagonistinnen auf einer emotionalen Achterbahn zwischen finsterster Trauer und quietschender Freude. Mit der stellenweise überzeichneten Inszenierung von Krankheitsbildern und vom Psychiatriealltag trifft der Film nicht immer nur gute Töne auf der heiklen Klaviatur zwischen Komik und Tragik. Valeria Bruno Tedeschi allerdings meistert die schwierige Balance zwischen abgedrehtem Witz und abgrundtiefer Trauer mit leichter Hand: sie spielt die bipolare Diva Beatrice voller Leidenschaft. Im Designerfummel, stets mit einer Zigarette in der Hand und selten um einen Spruch verlegen, stolpert die Antiheldin von einem Abenteuer ins nächste. Messerscharf schiesst sie verbal gegen die italienische Justiz, Politik und Korruption und gibt dem Film damit einen erfrischenden kritischen Unterton.

Laura Lots, Redaktion Medientipp

«La pazza gioia», Italien/Frankreich 2016, Regie: Paolo Virzi; Besetzung: Micaela Ramazzotti, Valeria Bruni Tedeschi; Verleih: Filmcoopi Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 06. Oktober 2016