Rara

Die 12-jährige Sara lebt nach der Scheidung ihrer Eltern zusammen mit ihrer kleinen Schwester Catalina bei der Mutter. Diese hat in einer Frau eine neue Lebenspartnerin gefunden. Für Sara ist die Situation völlig normal, für ihr Umfeld weniger. Besonders der Vater stösst sich an der neuen Beziehung seiner Ex-Frau. Als Sara einmal nach einem Streit mit der Mutter ihrem Ärger im Beisein ihres Vaters Luft macht, beschliesst dieser, beide Kinder zu sich zu holen. Von nun an kämpfen die Parteien vor Gericht um das alleinige Sorgerecht. Eine Situation, die allen Beteiligten einiges abverlangt, unter der aber vor allem Sara leidet, die sich schuldig fühlt, den Stein ins Rollen gebracht zu haben.

Der Titel «Rara» spielt zum einen auf die Protagonistin an, bedeutet im Spanischen aber auch «selten» oder «seltsam»: Eine offene Kritik am Umgang mit anderen Familienentwürfen, gemünzt auf den präzisen Blick der Regisseurin auf die Welt eines Teenagers, der sich zwischen allen Stühlen befindet.

Das nuancierte Spielfilmdebüt der Schauspielerin und Regisseurin Pepa San Martín beruht auf dem wahren Fall einer chilenischen Richterin, die das Sorgerecht für ihre beiden Kinder verlor, weil sie lesbisch war. Gerade auch wegen des eindrucksvollen Spiels der beiden jungen Darstellerinnen wirkt «Rara» intensiv ohne jemals laut zu sein. Der Film wurde an der Berlinale 2016 mit dem Grossen Preis der internationalen Jury der Generation Kplus ausgezeichnet.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Rara», Chile 2016, Regie: Pepa San Martín, Besetzung: Julia Lübbert, Emilia Ossandon, Mariana Loyola; Verleih: Trigon, http://www.trigon-film.org

Kinostart: 25. August 2016 (Aarau und Baden; ab 1. September in Zürich, Bern und Basel)