Retour chez ma mère

Stéphanie verliert von einem Tag auf den anderen ihren Job und ihre Wohnung. Notgedrungen findet sie bei ihrer Mutter Unterschlupf. Dort sitzt sie fest, 40 Jahre, pleite, geschieden und ohne ihren kleinen Sohn oft zu sehen. Noch dazu benimmt sich Mutter Jacqueline merkwürdig, weshalb die Tochter auf ein frühes Stadium von Alzheimer tippt. Dabei ist diese nur darum bemüht, ihr Techtelmechtel mit Nachbar Jean geheim zu halten, da ihre Kinder sehr am verstorbenen Vater hingen. Während sich Stéphanie mit der anstrengenden Mutter, ihren verständnislosen Geschwistern und vergeblichen Gesprächen bei der Jobvermittlung herumschlagen muss, will Mama die Bombe am Familienessen platzen lassen.

Die Schreckvorstellung jedes einmal ausgezogenen Kindes: Im Erwachsenenalter wieder bei den Eltern einziehen zu müssen. Interessant an der Komödie ist allerdings die Prämisse, dass sich nicht nur die Tochter in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlt, sondern auch die Mutter, die ihre heimliche Liebe gefährdet sieht. Daraus und aus den spritzigen Dialogen, gespickt mit viel trockenem Humor, ergeben sich urkomische Situationen. «Retour chez ma mère» hat aber bei aller Unterhaltung auch einen ernsten, sozialkritischen Unterton, stellt die Haltbarkeit unterdrückter Gefühle in Frage, thematisiert Verlust und existenzielle Angst. Damit und mit der wahren Botschaft, dass jede Familie ein nicht bezifferbarer Wert ist, geht der Film mit seiner Ehrlichkeit ans Herz.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Retour chez ma mère», Frankreich 2016, Regie: Éric Lavaine, Besetzung: Alexandra Lamy, Josiane Balasko, Mathilde Seigner; Verleih: Pathé Films, http://www.pathefilms.ch; http://www.willkommenimhotelmama.de/

Kinostart: 11. August 2016