Coup de chaud
Ein heisser Sommer in der französischen Provinz. Die Dorfbewohner kämpfen für ihre Ernte, Aufträge und Erhalt der kleinen Gemeinde, gegen die Hitzewelle an. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen und ihr Frust projiziert sich auf einen in der Gemeinschaft, der immer ausserhalb davon stand: Josef, der Sohn des Schrotthändlers. Er gilt als Störenfried und Sonderling. Als die Wasserpumpe verschwindet, der Regen nicht kommen will und eine alte Frau in ihrer Wohnung bedrängt wird, entlädt sich an dem jungen Mann der mittlerweile unkontrollierte Hass, bis er eines Morgens tot im Hinterhof seines Wohnhauses liegt.
Der Film beruht auf einer wahren Tragödie, die sich in der Heimatregion von Regisseur Raphaël Jacoulot zugetragen hat. Dieser war darüber sehr erschüttert und sagte in einem Interview, dass der Fall etwas aussage über eine kranke Gesellschaft, die immer nach Schuldigen suche. Jacoulots Appell an die Menschlichkeit ist jedoch nicht schwarzweiss gezeichnet. Josef (hervorragend gespielt von Karim Leklou) ist kein Unschuldslamm, sondern genauso beängstigend wie naiv. Dennoch ist das Beängstigendste an diesem Film die Macht der Dynamik, ausgelöst durch die Entscheidungen, die jeder einzelne trifft, und die Erkenntnis, dass eine Gemeinschaft immer nur so stark ist, wie das schwächste Glied, das sie zu integrieren vermag. «Coup de chaud» hält dem eigenen Unvermögen, Krisen zu bewältigen, den Spiegel vor.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Coup de chaud», Frankreich/Belgien 2015, Regie: Raphaël Jacoulot, Besetzung: Karim Leklou, Carole Franck, Grégory Gadebois; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 7. Juli 2016
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