Nahid
Nahid hat sich vor einigen Jahren von ihrem Mann getrennt, der mit seiner Drogensucht zu kämpfen hatte. Der gemeinsame Sohn lebt bei ihr. Entgegen den iranischen Sorgerechtsregelungen und auch nur deshalb, weil Ex-Mann Ahmad eine rechtlich beglaubigte Bedingung stellte: Nahid darf nie wieder heiraten. Tut sie es doch, verliert sie ihren Sohn. Doch Nahid hat sich in den Hotelbesitzer Massoud verliebt und plant mit ihm die Zukunft. Sie geht eine Ehe auf Zeit mit dem neuen Partner ein, denn auch das erlaubt die Gesetzgebung. Die Angst, dass ihre Liebe entdeckt wird, ist jedoch allgegenwärtig.
Gleich mit ihrem ersten Spielfilm gewann die Regisseurin Ida Panahandeh am letztjährigen Filmfestival in Cannes einen Spezialpreis für Debütfilme. Ihr Porträt einer Frau, die ihr restriktives Umfeld nicht einfach hinnehmen will, sondern sich dagegen auflehnt, ist berührend und sensibel. Es zeigt, dass die Kraft in den kleinen Dingen liegt und die Entscheidungen des Lebens irgendwo dazwischen. Und das ist eine weitere Stärke des Films: nicht zu verurteilen. Nicht Ahmad, für den Nahid das einzige Gute aus seiner Vergangenheit ist. Nicht Massoud, der Nahid zu einer Entscheidung drängt. Am allerwenigsten Nahid selbst, die zwischen zwei Männern steht, die nichts anderes kennen, als Liebe erzwingen zu wollen und die ihrerseits um die Liebe ihres Sohnes kämpft. «Nahid» ist wie das Meer, tosend und ruhig zugleich.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Nahid», Iran 2015, Regie: Ida Panahandeh, Besetzung: Sareh Bayat, Pejman Bazeghi, Navid Mohammad Zadeh; Verleih: cineworx, http://www.cineworx.ch
Kinostart: 16. Juni 2016
