Als die Sonne vom Himmel fiel

Shigeru Doi, der Grossvater der Regisseurin Aya Domenig, war Arzt in Hiroshima, als am 6. August 1945 eine Atombombe die Stadt grösstenteils zerstörte. Über seine Erfahrungen schwieg er sich zeitlebens aus – auch gegenüber seiner Enkelin. Deshalb wuchs deren Interesse umso mehr und führte zu einer intensiven Suche und dem bemerkenswerten Dokumentarfilm «Als die Sonne vom Himmel fiel».

Im Zentrum steht Aya Domenigs Grossmutter Kiyomi Doi. Nachdrücklich zu Wort kommen auch Chizuko Uchida, die 1945 Krankenschwester war, und Shuntaro Hida, damals ein Kollege von Shigeru Doi. Ihre unverblümten Aussagen bringen Licht in Japans fragwürdigen Umgang – oder besser: Nicht-Umgang – mit einem tragischen Aspekt der Geschichte und legen manches offen, worüber bis auf den heutigen Tag mehrheitlich geschwiegen wird.

Dass dieses Schweigen gebrochen werden muss, bekräftigte ausgerechnet die Katastrophe von Fukushima, die sich just während der Film-Dreharbeiten ereignete. Aya Domenig dokumentierte, wie bedenklich Japan erneut auf eine atomare Krise reagierte. So ist ihr Film nicht nur ein sehr persönlicher und berührender Ausschnitt ihrer Familienchronik, sondern auch ein genereller Aufruf, sich jedem Ereignis mutig zu stellen. Denn nur eine konsequente Auseinandersetzung und offenes Reden ermöglichen eine nachhaltige Verarbeitung und einen Weg in eine veränderte und bessere Zukunft.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld
pfarramt@sihlfeld.ch

«Als die Sonne vom Himmel fiel», Schweiz 2015, Regie: Aya Domenig, mit Kiyomi Doi, Chizuko Uchida, Shuntaro Hida; Verleih: Look Now! Filmdistribution, Internet: http://www.looknow.ch, Filmweseite: http://www.alsdiesonnevomhimmelfiel.com

Kinostart: 07. Januar 2016

 

*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.