Hallå Hallå
Die Trennung von Laban schmerzt Disa noch immer. Es gelingt ihr nicht, ihren kleinen Töchtern so gewinnend zu begegnen, wie es ihr Ex-Mann tut. Finanziell ist sie nicht gerade auf Rosen gebettet und in ihrem Beruf als Krankenschwester kaum erfüllt. Und dann wird sie auch noch unangekündigt von ihren Eltern besucht und mit unverlangten Ratschlägen eingedeckt. Disa denkt stets aufopferungsvoll nur an andere und nie an sich selbst; ihr Selbstwertgefühl ist mittlerweile in den Keller gesunken.
Kein Wunder, dass sie sich bereits in der ersten Szene von «Hallå Hallå» keuchend auf die lokale Sprungschanze kämpft und sich ihren Frust von der Seele schreit. Doch mit diesem Schrei ist es natürlich noch nicht getan; er ist aber der Beginn von Disas resolutem Kampf gegen die Widrigkeiten ihres Alltags. Schrittweise versucht sie loszulassen und auch einmal das zu tun, was nur sie will und braucht.
Regisseurin Maria Blom hat einen intelligenten und feinfühligen Film mit Tiefgang und doch immer auch mit unterhaltsamer Leichtigkeit gedreht. Disas unbändige Gutmütigkeit und Barmherzigkeit erinnert an das Gebot der Nächstenliebe. Der Film betont dann aber gerade auch den letzten Teil dieses Gebots, der ja gerne vergessen geht: «wie dich selbst». Es macht Mut, wie Disa lernt, zu sich selbst und ihren Eigenheiten zu stehen und sich nicht auf ihre Schwächen zu fokussieren, sondern vor allem ihre Stärken zu entdecken.
Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld
pfarramt@sihlfeld.ch
«Hallå Hallå», Schweden 2013, Regie: Maria Blom; Besetzung: Maria Sid, Johan Holmberg, Tina Råborg; Verleih: Look Now! Filmdistribution, http://www.looknow.ch
Kinostart: 3. Dezember 2015
*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.
