Köpek
Der erste Langspielfilm von Esen Isik ist der Künstlerin Pippa Bacca gewidmet. In einem weissen Brautkleid wollte die Italienerin von Rom bis Palästina trampen, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Sie kam bis Istanbul. Dort wurde sie 2008 vergewaltigt und ermordet.
Pippa Baccas Geschichte steht für die Schicksale der Bewohnerinnen und Bewohner Istanbuls, die unter Gewalt leiden und keine Lobby haben: Kinder, Frauen, Transmenschen – und Strassenhunde. Exemplarisch erzählt Esen Isik, die in Istanbul aufgewachsen ist und als junge Frau in die Schweiz kam, von einem Tag im Leben eines Jungen und eines Hundes (auf Türkisch: «Köpek»), einer Ehefrau sowie einer Transfrau. Der zehnjährige Cemo verkauft Taschentücher auf der Strasse, kümmert sich rührend um einen hilflosen Strassenhund und himmelt ein Mädchen aus einem besseren Quartier an. Die Transfrau Ebru setzt sich gegen willkürliche Übergriffe zur Wehr und sehnt sich nach der Liebe eines Mannes, der nicht zu ihr stehen will. Hayat wird von ihrem eifersüchtigen Ehemann schikaniert. Die Wege von Hayat, Ebru und Cemo in der Millionenmetropole kreuzen sich, doch auf der Suche nach Sicherheit und Schutz bleiben sie alleine.
«Köpek» ist ein zutiefst menschlicher und politischer Film, der die Zuschauerinnen und Zuschauer zu hilflosen, tatenlosen Zeugen macht. Esen Isik konfrontiert uns mit der Frage: Wie fühlen und verhalten wir uns angesichts von Ungerechtigkeit, struktureller und konkreter Gewalt?
Laura Lots, Redaktorin Medientipp
laura.lots@medientipp.ch
«Köpek», Schweiz/Türkei 2015, Regie: Esen Isik, Besetzung: Oguzhan Sancar, Cagla Akalin, Beren Tuna; Verleih: cineworx gmbh, Kontakt: info@cineworx.ch, http://cineworx.ch
Kinostart: 10. Dezember 2015
