Schellen-Ursli

Wer kennt es nicht, das Kinderbuch «Schellen-Ursli»? Selina Chönz schrieb es vor siebzig Jahren in Oberengadiner Romanisch und der Kunstmaler Alois Carigiet illustrierte es meisterhaft. Oscar-Preisträger Xavier Koller nahm sich dieses weltbekannten Stoffes an und verfasste dazu mit Stefan Jäger ein märchenhaftes Drehbuch. Kameramann Felix von Muralt fing die Geschichte mit beeindruckenden Landschaftsbildern und einer starken Bildsprache ein. Dabei entstand nebst den Bilderbuch-Erinnerungen etwas zauberhaft Neues und Packendes, das sich sowohl inhaltlich wie bildlich dem Zweikampf zwischen Gut und Böse sowie Arm und Reich annimmt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Uorsin. Der zwölfjährige Jonas Hartmann aus Churwalden spielt ihn erfrischend natürlich. Aber auch Julia Jeker als seine Freundin Sereina sowie Laurin Michael als Roman sind als glaubwürdige Kinderdarsteller eine wunderbare Entdeckung.

Der Altersangabe für diesen «Familienfilm» sind jedoch Grenzen gesetzt. Dramatische Szenen beim Alpabzug, als das kostbare Heu und ein Teil des Alpkäses im Bergbach landen, Uorsins Gang zur Hütte und die Rettung aus der Lawine durch den Wolf, aber auch die Verlogenheit des Gemeindevorstehers, die nächtliche Befreiung der Ziege und der Deal mit der Glocke sorgen für Spannung in dieser weithin geglückten Verfilmung des Kinderbuchklassikers. Der Entscheid zum Kinobesuch für unter Neunjährige bleibt selbstverständlich den Eltern vorbehalten.

Christian Murer, Journalist az Medien

«Schellen-Ursli», Schweiz 2015, Regie: Xavier Koller, Besetzung: Jonas Hartmann, Julia Jeker, Laurin Michael; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.schellenursli.com

Kinostart: 15. Oktober 2015


Warum hat der Regisseur in seine «Schellen-Ursli»-Verfilmung einen Pfarrer eingebaut? Antworten auf diese Frage, ein Interview mit dem Oscar-Preisträger Xavier Koller und vieles mehr gibt es im Video von kath.ch: