Ich und Kaminski

Der erfolgshungrige, selbstverliebte Journalist Sebastian Zöllner meint, auf die Idee des Jahrhunderts gekommen zu sein. Er will eine Biografie über den greisen Künstler Manuel Kaminski schreiben, der als «blinder Maler» einst berühmt wurde. Zöllner hofft, dass der alte Knacker sowieso bald das Zeitliche segnet, damit sich danach alle um sein Buch reissen. Als sich Zöllner in die Provinz aufmacht, um mit Kaminski zu reden, erweist der sich jedoch alles andere als scheintot. Um an die nötigen Informationen zu kommen, muss er zusammen mit Kaminski dessen verschollene Jugendliebe suchen. Der gewitzte Maler will damit vor allem eines erreichen: der Rund-um-die Uhr-Bewachung seiner Tochter Miriam entkommen.

Regisseur Wolfgang Becker war zwölf Jahre lang genauso von der Bildfläche verschwunden wie sein hier herrlich porträtierter Maler. Umso erfreulicher, dass er sich mit viel Elan nun wieder zurückmeldet und aus Daniel Kehlmanns ironischer Kultursatire ein noch ironischeres Roadmovie gezaubert hat. Daniel Brühl kann dem Image des Vorzeigeschwiegersohns für einmal entfliehen, denn das rücksichtslose Ekel, das er hier bravourös verkörpert, möchte wirklich niemand seinen Eltern vorstellen. «Ich und Kaminski» punktet mit tollen Gastauftritten und ist auch visuell ein pures Vergnügen, gleich zu Beginn des Films und immer, wenn sich bestimmte Szenen in Gemälde verwandeln. Eine prallgefüllte, filmische Wundertüte, die man nur zu gerne auspackt.

Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch

«Ich und Kaminski», Deutschland/ Belgien 2015, Regie: Wolfgang Becker, Besetzung: Daniel Brühl, Jesper Christensen, Denis Lavant; Verleih: Ascot Elite, http://www.ascot-elite.ch; Filmwebsite: http://www.ichundkaminski.x-verleih.de

Kinostart: 17. September 2015