Taxi Teheran

In Teheran bietet das Taxi eine gute Möglichkeit, Stadt und Menschen kennen zu lernen: Es bringt einen nicht nur günstig zu Museen und Palästen, sondern auch in Kontakt mit Leuten, die gewöhnlich zusteigen. Und was diese Menschen denken und fühlen, bringt Regisseur Jafar Panahi in «Taxi Teheran» auf die Leinwand: Selber hinter dem Steuer eines Taxis unterhält er sich mit verschiedensten Fahrgästen, die offen aus ihrem Alltag und Leben erzählen. Entstanden ist eine unterhaltsame Fahrt mit vielen teils heiteren, teils dramatischen Episoden.

Jafar Panahi ist vom iranischen Regime seit Jahren mit einem Berufs- und Reiseverbot belegt. Trotzdem arbeitet er mutig weiter, realisiert seine Filme heimlich und lässt sie ausser Landes schmuggeln. Als regelmässiger Fahrgast vernahm er im Taxi von vielen Menschen, wie es ihnen geht und was sie vom iranischen Staat halten. Hätte er sie in einer Dokumentation gezeigt, wäre ihr Leben bedroht gewesen. So entschloss sich Panahi, diese wahren Geschichten nachzufilmen. Er versteckte mehrere Kameras in einem Taxi und drehte in nur zwei Wochen einen beachtlichen Film, der gerade einmal rund 32’000 Euro gekostet hat. Die meisten Darstellenden sind Laien, manche spielen sich selber. Ihr Name darf nicht im Abspann erwähnt werden. Umso mehr verkörpern sie mit ihrem passionierten und engagierten Schauspiel die Maxime des Regisseurs, dass sich Kunst nicht aufhalten lässt.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch

«Taxi Teheran», Iran 2015, Dauer: 82 Minuten, Regie: Jafar Panahi, Besetzung: Jafar Panahi, Nasrin Sotoudeh, Hana Saeidi; Verleih: Filmcoopi AG, http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 2. Juli

«Taxi Teheran» ist unser Film des Monats Juli und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv

*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.