Vielen Dank für Nichts
Valentin sitzt nach einem Snowboardunfall im Rollstuhl und soll vorübergehend in ein Heim in Tirol. Seine Wut schleudert Valentin den anderen Heimbewohnern in Form politisch unkorrekter Kommentare entgegen. Joel Basman verkörpert den respektlosen und verletzten Jugendlichen derart dreist, dass man lacht und gleich wieder stockt, wenn dahinter die unendliche Verzweiflung sichtbar wird, die sich mit Resignation abwechselt.
Obwohl es anfangs unmöglich scheint, beginnt sich Valentin zu arrangieren. Das liegt einerseits am Regisseur, der mit den Heimbewohnern ein Theaterstück aufführt, anderseits an einer attraktiven Pflegerin. Und nicht zuletzt freundet sich Valentin mit zwei Männern im Rollstuhl an. Mit ihnen macht er sich einen Spass daraus, Passanten von hinten in die Beine zu fahren. Für einen kurzen Moment ist in ihrem Gesicht echte Wut zu sehen, bevor sie ihre Mitleidsmiene aufsetzen, wenn sie merken, dass der Rowdy ein Behinderter ist. Doch den dreien reicht das nicht. Sie wollen endlich gleich behandelt werden. Sie wollen dieselben Rechte, aber auch dieselben Strafen. Um das zu erleben, überfallen sie eine Tankstelle.
In der Komödie des Regie-Duos Oliver Paulus und Stefan Hillebrand spielen Behinderte neben Profischauspielern. Die Diskriminierung von Behinderten wird hier thematisiert ohne den üblichen moralischen oder rührseligen Ton, sondern mit Ironie und schwarzem Humor.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Vielen Dank für Nichts», CH / D 2013, Regie: Oliver Paulus, Stefan Hillebrand; Besetzung: Joel Basman, Nikki Rappl, Bastian Wurbs; Verleih: Praesens-Film AG; Internet: http://www.praesens.com
Kinostart: 26. Juni 2014
