Violette
«Niemand will mich!», schreit Violette in einer beklemmenden Szene ihrer Mutter entgegen. Als uneheliches Kind zur Welt gekommen und vom Vater nicht anerkannt, fühlt sich Violette auch als erwachsene Frau ungeliebt, Selbstzweifel quälen sie. Martin Provosts Spielfilm schildert das Leben der Schriftstellerin Violette Leduc. Bereits sein letzter Film über die naive Künstlerin Séraphine Louis handelt von einer Frau, die nie dieselbe Anerkennung erlangte wie ihre Zeitgenossen und schliesslich psychisch erkrankte. Im Fall Violettes wird Simone de Beauvoir auf das Schreibtalent der jungen Frau aufmerksam, fördert sie und vermittelt sie an einen Verlag. Doch die schonungslosen Texte über ihre Abtreibung, ihre sexuellen Erfahrungen und ihre Liebe zu einer Mitschülerin stossen auf Widerstand.
Obwohl der Film auch Einblicke in den Literaturbetrieb und die Gesellschaft der 40er-Jahre gibt, steht das persönliche Schicksal im Mittelpunkt. Die sparsam eingesetzte, oft schwermütig-geheimnisvolle Musik von Arvo Pärt, die ruhigen Kamerabewegungen, sanften Überblendungen und langen Einstellungen in abgedunkelten Räumen bewirken eine traumartige Atmosphäre. Sie löst sich gegen Ende auf, als Violette in der Provence einen hellen, glücklichen Ort entdeckt, an dem sie leben kann und wo sie 1964 auch mit «La Bâtarde» das Buch schreibt, das ihren Durchbruch bedeutet.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Violette», Frankreich 2013, Regie: Martin Provost, Besetzung: Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain, Olivier Gourmet; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, Internet: http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 29. Mai 2014
