Left Foot Right Foot

Nach «Oh Boy» und «Frances Ha» kommt ein neuer Schwarz-Weiss-Film mit orientierungslosen jungen Protagonisten in die Kinos. Das Spielfilmdebüt des Lausanner Regisseurs Germinal Roaux aber ist melancholischer, ernsthafter – und es besticht durch die sorgfältig gewählten Einstellungen, von denen sich viele auch als Standfotografien herauspicken liessen. Tatsächlich ist Roaux vor allem als Fotograf bekannt. Dem mag einerseits die Entscheidung für einen Schwarz-Weiss-Film geschuldet sein, anderseits verleiht das der Story eine gewisse Universalität.

Marie erledigt in einem Büro Kopierarbeiten, ihr Freund Vincent belegt in einer Fabrik ebenso lustlos Tiefkühlpizzen und geht lieber Skaten. Zwar ist er nicht bereit, für sein Leben Verantwortung zu übernehmen, kümmert sich aber pflichtbewusst um seinen behinderten Bruder, der Freude und Frust offen gegen aussen trägt. Die Kommunikation zwischen Marie und Vincent ist dagegen dürftig. Beide führen ihr eigenes Leben und wissen nicht, was den anderen beschäftigt – und doch scheinen sie das gar nicht so zu wollen. Sowohl Regisseur als auch Schauspieler haben ein ausserordentliches Gespür für das Feine, das Unbeholfene, aber auch für das Ungestüme. Als Marie unmerklich in die Prostitution rutscht, kommt es zu einem Missverständnis und damit zu einem tragischen – raffiniert montierten und gefilmten – Showdown. Ob und wie es weitergehen kann, bleibt in der Schwebe.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«Left Foot Right Foot», Schweiz 2013, Regie: Germinal Roaux; Besetzung: Nahuel Perez Biscayart, Agathe Schlencker, Dimitri Stapfer; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 15. Mai 2014

«Left Foot Right Foot» ist unser Film des Monats Mai und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv