Traumland
Wer im Schweizer Spielfilm die gesellschaftliche Relevanz vermisst, wird hier fündig. «Traumland» ist ein Weihnachtsfilm der andern Art: ehrlich, unerbittlich und in manchen Szenen schwer erträglich. Dennoch handelt es sich um einen wichtigen Beitrag über Begehren, Sehnsüchte und Desillusionierung in einem urbanen Umfeld.
Die Sozialarbeiterin Judith leistet am 24. Dezember Abenddienst am Sihlquai, wo sie Prostituierte betreut. Die Bulgarin Mia will sich jedoch nicht helfen lassen. Sie lebt mit ihrem Freund und Zuhälter im Zürcher Kreis 4. Rund um diesen Kern erzählt Petra Volpe verschiedene Geschichten aus den Schweizer Lebensmilieus: dem arrivierten Ehepaar in einer modernen Villa, dem von seiner Frau verlassenen Mittelständler, der vor vielen Jahren in die Schweiz eingewanderte Spanierin. Kunstvoll verknüpft das Drehbuch diese Figuren zu einem dichten Teppich der Befindlichkeiten und Sehnsüchte. Dabei spiegelt sich vor allem die Einsamkeit, die alle Figuren verfolgt und in verzweifelte Taten treibt. Für Mia, die Schwächste unter ihnen, beginnt ein fataler Kreis der Ausbeutung.
Petra Volpe findet präzise Bilder, um diesen Zustand der Gesellschaft einzufangen. Sie bezieht Stellung und entlässt ihre Zuschauerinnen und Zuschauer mit einer moralischen Unruhe, die noch lange nachwirkt.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Traumland», Schweiz / Deutschland 2013, Regie: Petra Volpe, Besetzung: Marisa Paredes, Luna Zimic Mijovic, Devid Striesow; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 20. Februar 2014
