Tino – Frozen Angel
Legenden ranken sich um Tino, den Gründer der Hells Angel Switzerland. Noch immer geht das Gerücht um, er sei am Leben. Martin Schippert, wie Tino mit bürgerlichem Namen hiess, wuchs am Zürichberg auf. Aus dem Gefühl heraus, den Ansprüchen der Familie nicht zu genügen, suchte er sich in der Halbstarken-Gang Lone Stars eine Gegenwelt. Er wollte aufrütteln, sich gegen Vorurteile auflehnen und weckte so das Interesse der Studentenbewegung oder Friedrich Dürrenmatts. Als die Lone Stars zu den Hells Angels Switzerland wurden, rückte die Gang in den Fokus der Medien, und das Image als gefürchtete Gang baute sich wechselseitig auf.
Adrian Winkler verfolgt Tinos Spuren von Zürich bis nach Bolivien, wo er nach seiner Flucht aus dem Gefängnis lebte und 1981 plötzlich starb. Winklers Interviewpartner sind Tinos Bruder, ehemalige Gang-Mitglieder und Freundinnen – alles Zeitzeugen, die Tino schätzten. Entsprechend herrscht Faszination vor, obwohl auch die dunklen Seiten der Hells Angels angetippt werden. Doch geht es in dem Film weniger um ein ausgewogenes Bild einer Gang, vielmehr spürt Winkler diesem Rebell mit enormem Freiheitsdrang nach und versucht seine Gedanken zu verstehen. Anhand von Musik, Archivmaterial und langen, Motorradfahrten nachempfundenen Kamerafahrten vermittelt er das Lebensgefühl einer Zeit, in der man mit einer Tätowierung oder zerrissenen Jeans nicht mehr zur Gesellschaft gehörte
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Tino – Frozen Angel», Schweiz 2014, Regie: Adrian Winkler; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 13. Februar 2014
