Zum Beispiel Suberg

Ein Seeländer Dorf, 609 Einwohner. Simon Baumann wurde zufällig in Suberg geboren, seine mögliche Integration in die Dorfgemeinschaft hat er erfolgreich ignoriert. Auf der Suche nach seinem Heimatdorf ist er nicht bei allen Bewohnern willkommen: Seine Eltern waren das erste Nationalratsehepaar der Schweiz. Sie hatten seinerzeit den Bau einer Bahnunterführung bekämpft.

Die Idee fasziniert, diesem Dorf und seinen Bewohnern näher zu kommen und verloren gegangenes Zusammenleben wieder aufzuspüren. Wo anfangen in einem Dorf, in dem es keine Begegnungsorte mehr gibt ausser der Bahnschranke mit täglich 150 Zügen, an der Automobilisten Nervenproben ausgesetzt sind. Baumann findet das Herzstück des Dorfes: den Männerchor, dem er beitritt. Nach 32 Jahren findet er seine Heimat und seine Heimat findet ihn – und doch ist sein Film kein Heimatfilm.

Simon Baumann gelingt eine Dokumentation, die ein Dorf widerspiegelt, das zum Beispiel Suberg heisst. Denn auch an anderen Orten in unserem Land könnte ein solches Dorf existieren. Der Regisseur geht nahe an die Menschen heran, gewinnt ihr Vertrauen und stellt einen Zusammenhalt dar, den man sich in der einen oder anderen Form in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt wünscht. Ein ehrlicher Film, in den Bildern wie den Aussagen, der in Nyon von der interreligiösen Jury für seinen «lebendigen und nostalgiefreien Blick auf eine gesellschaftliche Veränderung» ausgezeichnet wurde.

Christine Ris, Weiterbildung pwb
christine.ris@refbejuso.ch

«Zum Beispiel Suberg», Schweiz 2013, Regie: Simon Baumann, Dokumentarfilm; Verleih: fair & ugly, http://www.fairandugly.ch, Filmwebsite: http://www.zumbeispielsuberg.ch

Kinostart: 28. November 2013