Recycling Lily

Das kann nicht gut gehen, diese Love-Story zwischen einem pedantischen Abfallentsorger und einer chaotischen Serviceangestellten. Oder es kann doch alles gut werden, wenn es sich um ein modernes Märchen handelt. Mit viel Verve erzählt Pierre Monnard seine Geschichte vom Einzelgänger Hansjörg Stähli, der als Müllinspektor alles im Griff hat und sein malerisches Städtchen peinlich genau kontrolliert. Bis eines Tages ein dreister Abfall-Rowdie seine Abfallsäcke im Schrebergarten deponiert. Das führt zu Verfolgungsjagden, amourösen Verwicklungen und dramatischen Wendepunkten. Bruno Cathomas und Johanna Bantzer spielen das Liebespaar mit Körpereinsatz. Die grosse Entdeckung ist jedoch Luna Dutli, die in ihrer ersten Rolle als Lilys Tochter Emma brilliert.

Mit grosser Leichtigkeit überzeichnet Pierre Monnard seinen sozialen Realismus mit blendenden Leuchtfarben, grotesker Sitcom und abstrusen Klischees. Alles kommt so spielerisch daher, dass man sich über diesen Film die Augen reibt und erstaunt zur Kenntnis nimmt, dass eine solch lustvolle Satire auch im Schweizer Filmschaffen möglich ist. Bemerkenswert ist dabei, dass das Messi-Syndrom einfach selbstverständlich neben dem gutschweizerischen Ordnungsfimmel steht. So insinuiert der Film, dass es sich dabei um zwei Seiten der gleichen Medaille handelt: Die Kunst besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos herzustellen, was nicht allen Menschen gelingt.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Recycling Lily», Schweiz 2013, Regie: Pierre Monnard, Besetzung: Bruno Cathomas, Johanna Bantzer, Luna Dutli; Verleih: Ascot Elite Home Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch

Kinostart: 21. November 2013