Exit Marrakech
«Manchmal ist die Fantasie spannender als die Realität», sagt Heinrich zu seinem Sohn Ben. Er ist als Regisseur in Marokko an einem Theaterfestival und hat seinen 17-jährigen Sohn für die Ferien eingeladen. Ben strebt weg vom Vater, raus aus den Luxushotels. Während der Vater am Swimmingpool sitzt und am Abend an Premierenapéros geht, stürzt er sich lieber in das lebendige Gewusel der Strassen. Ben interessiert die Alltagswelt der Marokkaner. Im Ausgang verliebt er sich in die Prostituierte Karima. Spontan verlässt er Marrakech und besucht Karimas Berberfamilie im Gebirge. Hier erlebt er den Gegensatz zwischen Stadt und Land, aber auch das Doppelleben von Karima, die ihr Geld für die Familie in der Stadt verdienen muss.
Die Begegnung mit dem exotischen Maghreb zeigt die Regisseurin Caroline Link bewusst in einer Brechung. Die touristischen Klischees verstellen den Blick auf die ursprüngliche Lebensweise. Den Konflikt zwischen Vater und Sohn schildert Link als das Ergebnis einer Patchworkfamilie. Ben hat seinen Vater wegen der Scheidung der Eltern kaum kennengelernt. Erst diese Reise gibt ihm die Gelegenheit, seinen inneren Konflikt nach aussen zu tragen. Bens Ausbruch bringt die beiden Männer bis an den Rand ihrer Kräfte. Die Regisseurin von «Nirgendwo in Afrika» verzaubert mit ihrer universellen Vater-Sohn-Geschichte in wunderbaren Farben und Landschaften, mit Dramatik und einem Hauch Familiensinn.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Exit Marakech», Frankreich / Deutschland 2013, Regie: Caroline Link, Besetzung: Samuel Schneider, Ulrich Tukur, Hafsia Herzi; Verleih: Ascot Elite Home Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch
Kinostart: 7. November 2013
