La Religieuse

Mehrmals wurde das Werk «La Religieuse» (1796) von Denis Diderot schon verfilmt. Guillaume Nicloux‘ Neuverfilmung konzentriert sich auf das Schicksal einer jungen Frau, die sich dem Druck der unausweichlichen Fremdbestimmung nicht beugen will. Die Geschichte handelt in Frankreich im Jahre 1765. Suzanne Simonin muss gegen ihren Willen ins Kloster. Trotz der Strenge des Klosterlebens und der Perspektivlosigkeit ihres Lebens lehnt sie sich auf und weigert sich, die Situation zu akzeptieren. Als die ihr wohlgesinnte Mutter Oberin stirbt, muss Suzanne die furchtbaren Erniedrigungen der neuen Oberin Christine über sich ergehen lassen. Dies kann aber ihren Willen nicht brechen. Sie erreicht, dass sie in ein anderes Kloster verlegt wird. Doch auch hier ist sie Übergriffen ausgesetzt: Sie muss sich der obssesiven Zuneigung der Mutter Oberin von St. Eutrope wehren, die ihre Macht subtil nutzt, um bei Suzanne ihre amourösen Bedürfnisse ausleben zu können.

Der Film überzeugt durch die eindringliche Darstellung der Schauspieler, was dazu führt, dass im Zwischenzeiligen die eigentliche Kraft liegt. «La Religieuse» ist nicht in erster Linie ein religiöser Film, wenngleich die Handlung sich mehrheitlich hinter Klostermauern abspielt. Vielmehr geht es um Selbstbestimmung und Freiheit in einem unterdrückerischen totalitären Machtsystem. Das macht den Film zu einem Plädoyer für ein unabhängiges Leben und den Mut, zu sich selber zu stehen.

Adrian Marbacher, Theologe und Filmemacher
adrian.marbacher@kath.ch

«La Religieuse», Frankreich 2013, Regie: Guillaume Nicloux, Besetzung: Isabelle Huppert, Pauline Etienne, Louise Bourgoin, Martina Gedeck, Françoise Lebrun; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.dienonne-film.de

Kinostart: 31. Oktober 2013

«La Religieuse» ist unser Film des Monats November und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv

Adrian Marbacher über «La Religieuse»