Elle s’en va
Wenn die Midlife-Crisis einschlägt, ist sie für das weibliche Geschlecht besonders hart, oder doch leichter als frau denkt. Catherine Deneuve gibt in «Elle s’en va» die Eigentümerin eines Restaurants, die sich eines Tages von ihrer Rauchpause nicht mehr zurückmeldet. Bettie hat genug von den Seitensprüngen ihres Liebhabers, steigt einfach in den Wagen und fährt los. So spontan wie ihre Entscheidung ist auch dieses kleine, französische Roadmovie. Auf dem Weg quer durch Frankreich erfahren wir von Betties Tochter und dem Enkelkind, die bisher sehr weit weg waren; von ihrer Geschichte als Schönheitskönigin in der Bretagne, ihren Wünschen und Bedürfnissen, die zu kurz gekommen sind.
Es ist eine leichte Erzählung: kein schweres Durchleiden der Krise, keine dramatischen Zusammenbrüche. Emmanuelle Bercot entscheidet sich in ihrem Film für die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und führt die Geschichte von Bettie über verschiedene Stationen bis zum Happy-End. Auch im französischen Kino gibt es das glückliche Ende. Dies ist besonders tröstlich für alle, die gerade an der Klippe zu den Fünfzigern stehen und sich fragen, was das Leben eigentlich noch bereithält neben vielen Verpflichtungen, leidigen Bindungen und Gewohnheiten. Wie wäre es mit einer Ausfahrt, um ein Päckchen Zigaretten zu holen? Wem das zu einfach scheint oder dummerweise Nicht-Raucherin ist, sollte besser die eigene Midlife-Crisis auskosten. Et voilà!
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Elle s’en va», Frankreich 2013, Regie: Emmanuelle Bercot, Besetzung: Catherine Deneuve, Nemo Schiffman, Gérard Garouste, Hafsia Herzi; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 24. Oktober 2013
