Freier Fall

Marc führt ein ruhiges, bürgerliches Leben. Er arbeitet als Polizist, wird bald Vater und ist mit seiner Partnerin soeben in die Wohnung im Haus seiner Eltern gezogen. Doch dann lernt er bei einer Fortbildung den selbstbewussten Kay kennen und fühlt sich von ihm merkwürdig provoziert. Als Marc von ihm geküsst wird, ist er zuerst schockiert, aber Kay geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Marc wehrt sich gegen seine Gefühle und kämpft mit seinem schlechten Gewissen gegenüber seiner schwangeren Partnerin. Dennoch lässt er sich auf eine Affäre ein.

Die Polizei gilt nicht eben als tolerant gegenüber Homosexuellen, und entsprechend taucht in diesem Film der prototypische homophobe Macho auf. «Freier Fall» ist zwar ein Queer-Film, aber nicht nur. Obwohl Marcs Gefühlschaos vor allem mit seiner plötzlichen Liebe zu einem Mann zu tun hat, ist seine verzwickte Situation in jeder Liebesbeziehung denkbar. Marcs Anspannung überträgt sich auf die Zuschauer – man ahnt, dass Marcs Doppelleben auffliegen wird. Regisseur Stephan Lacant interessiert aber weniger die Lösung des Dilemmas, als vielmehr die Psychologie der Hauptfigur und ihr Ringen mit Gefühlen unterschiedlichster Art. Hier zeichnet sich der Film aus durch eine sensible und ausgewogene Charaktergestaltung sowie zwei hervorragende Schauspieler, die das Innenleben der Figuren glaubhaft nach aussen tragen.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«Freier Fall», Deutschland 2013, Regie: Stephan Lacant, Besetzung: Hanna Koffler, Max Riemelt, Katharina Schüttler; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.freierfall.de

Kinostart: 18. Juli 2013