When I Saw You
In aufwändig ausgeleuchteten und oft rhythmisch geschnittenen Szenen erzählt die jordanische Regisseurin Annemarie Jacir vom elfjährigen Tarek, der 1967 mit seiner Mutter in einem Flüchtlingslager in Jordanien lebt. Tag für Tag warten die beiden vergeblich, dass der Vater aus Palästina nachkommt. Das Warten reibt beide auf. Als Tarek versucht, allein nach Palästina zurückzukehren, landet er in einem Rebellencamp. Hier nimmt man ihn sofort auf und begegnet ihm auf Augenhöhe, ganz anders als im Flüchtlingslager. Seine Mutter stöbert ihn auf und versucht ihn zur Rückkehr zu bewegen. Tarek aber will Widerstandskämpfer werden – bis er auch hier die Geduld verliert: Es dauert ihm zu lange, bis die Rebellen endlich losziehen. Erneut geht er seinen eigenen Weg.
Annemarie Jacir stellt sich ganz hinter die Wahrnehmung eines Kindes in den 60er-Jahren. Bei den Rebellen wird getanzt und musiziert; es herrscht fast immer Harmonie, und gefährlich wird es nur einmal. Dieses beschönigte Bild mag man der Sicht des Jungen zuschreiben, es wäre aber durchaus vorstellbar gewesen, dass der Junge stärkere Brüche und Spannungen durchlebt. Obwohl nicht direkt eine Brücke in die Gegenwart des Nahostkonflikts geschlagen wird, bringt einen das leise Antippen, durchzogen mit feinem Humor, ins Nachdenken über die Zukunft.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«When I Saw You» («Lamma shoftak»), Jordanien / Palästina 2012, Regie: Annemarie Jacir; Besetzung: Mahmoud Asfa, Ruba Blal, Saleh Bakri; Verleih: Trigon-Film, http://www.trigon-film.org, http://whenisawyou.com
Kinostart: 4. Juli 2013
