Le sommeil d’or
Eine Karaoke-Bar in Kambodscha – ein schnulziger Schlager wird gespielt. Alle kennen ihn, doch viele wissen nicht mehr, dass er ein kärglicher Überrest der kambodschanischen Filmkultur ist. Zwischen 1969 und 1975 entstanden in Kambodscha rund 400 Filme, bis die Roten Khmer Studios und Kinos zerstörten, Filme verboten und unzählige Kulturschaffende ermordeten.
Davy Chou, Enkel eines Filmproduzenten, spürt in seinem bewegenden Dokumentarfilm dem Verlorenen nach. Wenn Läden in alten Filmstudios hochgeschoben, Tore geöffnet werden, wenn Licht in die dämmrigen Räume fällt, hat das auch symbolischen Charakter: Chou will mit «Le sommeil d’or» die Filme wieder zum Leben erwecken, Licht in die vergessene Filmgeschichte bringen. Die Kamera schweift durch Räume, über verbliebene Fotos oder das verwahrloste Studiogelände, das ein ehemaliger Regisseur zum ersten Mal seit der Zerstörung wieder besucht. Er ist mit seiner zweiten Familie da – seine erste wurde komplett ausgelöscht – und Chou lässt ihn von den Dreharbeiten erzählen. Durch die wehmütigen, oft auch leidenschaftlichen Berichte von Filmemachern, Kinoliebhabern und einer Filmdiva über Special Effects, Drehorte und nie gezeigte Filme entstehen Bilder im Kopf der Zuschauer. Der Glanz früherer Zeiten wird spürbar, auch wenn nur einige Fotos, Ausschnitte aus VHS-Kassetten, ein Radiospot und die Songs in den Karaoke-Bars geblieben sind.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Le sommeil d’or», Kambodscha 2012, Regie: Davy Chou, Dokumentarfilm; Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org
Kinostart: 23. Mai 2013
