Ginger & Rosa
Die Angst vor einem Atomkrieg ist allgegenwärtig im Film von Sally Potter, die selber während des Kalten Kriegs aufwuchs. Ginger und Rosa sind beste Freundinnen und wachsen im London der 60er-Jahre auf. Beide bewundern Gingers politisch aktiven Vater, der die Freiheit über alles stellt. Sie können verstehen, dass er sich von seiner Frau trennt, die sich in die Geborgenheit des Hauses zurückzieht.
Wie ihr Vater engagiert sich Ginger für den Weltfrieden. Rosa hingegen ist der Meinung, dass nicht alle die Welt retten können: «Manche entscheiden sich für einen Menschen.» Ausgerechnet Gingers Vater ist der Auserwählte, und der lässt sich auf eine Affäre mit der 17-Jährigen ein. Gingers Vater-Ideal beginnt zu bröckeln, und ihr Gefühlschaos fällt zusammen mit der Weltuntergangsstimmung der Kubakrise – es kommt zum Eklat.
Mit Feingefühl zeigt Potter, wie die Teenager sich eigene Strategien suchen, mit Ohnmacht und Angst umzugehen. Sie fangen an zu hinterfragen, verfallen aber auch in die Muster ihrer Mütter. Potter wertet das Verhalten ihrer Figuren nicht – die Charaktere sind so vielschichtig angelegt, dass man ständig gezwungen ist, die Empathie umzuverteilen. Das persönliche zeitgeschichtliche Porträt ist zugleich eine eindringliche Studie über das Heranwachsen in einer Krisenzeit, über das Ausloten der Grenzen zwischen Freiheit und Rücksicht, zwischen privatem und öffentlichem Engagement.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
«Ginger & Rosa», Kanada/Kroatien/Dänemark/Grossbritannien 2012, Regie: Sally Potter; Besetzung: Elle Fanning, Alice Englert, Alessandro Nivola; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 11. April 2013
