Hannah Arendt

Margarethe von Trotta ist bekannt für ihre Filme über grosse Frauenfiguren. Nach Rosa Luxemburg und Hildegard von Bingen hat sie sich nun die jüdische Philosophin Hannah Arendt vorgenommen. Vor dem Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem 1961 teilt Hannah Arendt ihrem Freundeskreis mit, dass sie für «The New Yorker» über den Prozess berichten will. Als Jüdin hatte sie 1933 aus Deutschland nach Paris und schliesslich nach New York fliehen müssen. Ihr Ehemann warnt sie vor der Belastung durch die Konfrontation mit der Vergangenheit. In ihren Reportagen kommt sie zu der Erkenntnis, dass Eichmann kein Monster, sondern ein Befehlsempfänger sei, der vollständig auf das Denken verzichtet habe. Diese Publikation löst heftige Kontroversen aus.

Der Film verdichtet das Leben Hannah Arendts auf die Zeitspanne von zwei Jahren, um ihre Person und ihr Denken sichtbar zu machen: Die streitbare Intellektuelle führt den Konflikt um die Wahrheit. Die selbstbewusste, humorvolle Frau findet in der Liebe zu ihrem Mann Rückhalt. Auf diese Weise entsteht ein facettenreiches Porträt einer der grossen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. Aufgebaut auf zahlreichen Dialogen gipfelt der Film in einer achtminütigen Verteidigungsrede, in der die Heldin ihre These von der «Banalität des Bösen» und dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit verteidigt. Sie ist damit eine Wegbereiterin des internationalen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Hannah Arendt», Deutschland, USA, Luxemburg, Israel 2012, Regie: Margarethe von Trotta; Besetzung: Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janet McTeer, Julia Jentsch, Ulrich Noethen; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.hannaharendt-derfilm.de

Kinostart: jetzt im Kino

Umfassendes Schulmaterial

Zu «Hannah Arendt» steht auf der deutschen Filmwebsite umfassendes Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Der Spielfilm eignet sich ab 16 Jahren in den Fächern Ethik, Religion, Philosophie, Politikwissenschaft, Geschichte, Deutsch, Englisch und greift Themen auf wie Nationalsozialismus, Holocaust, Eichmann-Prozess, das Böse/das Gute im Menschen, Gerechtigkeit, Verantwortung, Wirkung von Medien, politisches Handeln, menschliches Handeln, religiöse und menschliche Identität und nicht zuletzt Freundschaft.

http://www.hannaharendt-derfilm.de/#/lehrerinformationen