The End of Time
Zeit ist ein flüchtiges Element. Es in Bildern einzufangen ist eine grosse Kunst. Peter Mettler ist mit seinem Dokumentarfilm ein bildgewaltiger Essay gelungen. Sein Nachdenken über den Ursprung und die Wirkung von Zeit beginnt im Cern in Genf, führt über vulkanische Phänomene in Hawai und zerstörte Häuser in der Innenstadt von Detroit bis zum Erleuchtungsbaum von Buddha in Indien. Der Regisseur nimmt uns mit auf eine Weltreise durch die Zeit, von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft. Durch diese visuellen Eindrücke gerät schnell einmal das subjektive Gefühl der Erfahrungszeit aus den Fugen. Entweder wird dieser Film zu einem unendlichen Seherlebnis oder zur atemberaubenden Reise durch die Zeitdimension.
Bereits Gilles Deleuze hat mit seinen Überlegungen zum «Zeit-Bild» aufgezeigt, wie komplex die Darstellung des Phänomens im Kino ist. Der Regisseur versucht hier mit Time-Loops, Bild-im-Bild-Kompositionen, Grossaufnahmen und abstrakten Bildabfolgen eine Annäherung an das Phänomen der relativen Zeit. So wirkt am Schluss des Films ein Interview mit Mettlers eigener Mutter fast wie ein Schock: in realistischem Stil blickt sie direkt in die Kamera und gibt ihre Lebensphilosophie preis. Es ist durchaus erstaunlich, wie sich durch diese essayistische Montage die Lebensweisheit einer Frau in die Erinnerung eingräbt: Der Blick zurück auf das eigene Leben ist ebenfalls eine Zeitreise.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«The End of Time», Schweiz/Kanada 2012, Regie: Peter Mettler, Dokumentarfilm; Verleih: Look Now!, http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://theendoftimemovie.com/
Kinostart: 11. Oktober 2012
