Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte
So schockierend ungeschminkt kann wohl nur englisches Kino sein. Alkohol und Ausraster, Bierflaschen und Baseballschläger – mit dem gewalttätigen Joseph will man eigentlich nichts zu tun haben. Auf der Flucht vor sich selbst landet er in Hannahs Laden, die ihm vorbehaltlos ihre Hilfe anbietet: eine Tasse Tee und ein Gebet. In ihrer Schlichtheit entfaltet diese Szene eine enorme Wucht. Aus der Bekanntschaft von Hannah und Joseph wird so etwas wie eine Liebesgeschichte, die der deutsche Nebentitel ja bereits ankündet. Doch wegen des Abgrunds in Hannahs Leben ist der Weg dahin voller Tränen und Blut, Versagen und Schuld.
Das Spielfilmdebüt des britischen Schauspielers Paddy Considine ist die Weiterentwicklung seines mehrfach preisgekrönten Kurzfilms «Dog Altogether». Considine fragt danach, was Gewalt und Gewalterfahrung aus Menschen machen. Dass dabei zwei Hunde auf der Strecke bleiben, verstärkt diese Frage noch. Es geht um den schmalen Grat zwischen Gelingen und Versagen von Menschlichkeit. Der unaufgeregte Stil und die emotionale Dichte erinnern sichtbar an Ken Loach. Bei diesem Altmeister des sozialkritischen Kinos gab Hauptdarsteller Peter Mullan vor Jahren den Titelhelden in «My name is Joe». Gemeinsam mit seiner Kollegin Olivia Colman liefert Mullan nun eine Performance, die unter die Haut geht. Hier ist grosses Kino zu sehen, auch gerade weil der Film ohne jeden Kitsch ein hoffnungsatmendes Ende findet.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Tyrannosaur», Grossbritannien 2011, Regie: Paddy Considine, Besetzung: Peter Mullan, Olivia Colman, Eddie Marsan; Verleih: Cineworx, http://www.cineworx.ch
Kinostart: 29. März 2012
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