Sira – Wenn der Halbmond spricht

Die Sira ist das grösste arabische Versepos und von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Doch wie wird sie weiterbestehen, wenn die traditionelle Aufführungspraxis untergeht? Das singende Rezitieren der millionenfachen Verse wird nur noch von wenigen gepflegt. Der 80-jährige Sayyed al-Dawwy ist ein wahrer Sira-Meister und unentwegt durch Ägypten unterwegs, um die Verse am Leben zu erhalten. Zugleich will er die mündliche Überlieferung an seinen Enkel Ramadan weitergeben, der noch unentschlossen ist, wo er selbst zwischen Tradition und Moderne steht.

Der Dokumentarfilm begleitet die beiden auf einer Tour und versucht, die Faszination für die Sira auf die Leinwand zu transportieren. Nebenbei dokumentiert er, wie moderne Technik und Unterhaltungsmedien Traditionen unterwandern können. Die arabischen Popstars, die sich der wenigen Liebesepisoden aus der Sira bedienen, sind samt ihrer Videoclips nur ein Aspekt. Interessanter erscheinen vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Umwälzungen in Ägypten die omnipräsenten Kleinkameras und Mobiltelefone; oder auch die Diskussionen über die Bedeutung der kriegerischen Sira-Episoden und der Sehnsucht nach neuen Helden in unsicheren Zeiten. So ist der konventionelle Dokumentarfilm von den politischen Entwicklungen eingeholt worden und zu einem ausserplanmässigen Zeitzeugen eines Ägyptens kurz vor Ende der Ära Mubarak geworden.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Sira – Wenn der Halbmond spricht», Schweiz 2011, Regie: Sandra Gysi, Ahmed Abdel Mohsen, Dokumentarfilm; Verleih: Columbus Film AG,  http://www.columbusfilm.ch, http://www.sira-film.com

Kinostart: 25. August 2011