Barney`s Version
Anfangs dominieren Zigarre und Whiskyglas die Leinwand. Das entspricht Barney Panofsky, der den ganzen Film über nur selten ohne Rauchwaren oder Alkohol zu sehen sein wird. Der Lebemann und Genussmensch sieht sich mit einem alten Mordvorwurf konfrontiert und liefert in einem grandiosen Lebensrückblick seine Sicht der Dinge. Alt und grau, aber kein bisschen weniger gewitzt lässt er Szenen dreier Ehen, einiger Eishockeyspiele und einer Freundschaft Revue passieren. Natürlich spielt auch immer wieder Barneys jüdisches Milieu hinein, tragikomische Szenen haben seine ersten beiden Schwiegerväter sowie sein eigener Vater, den Dustin Hoffman mit offensichtlicher Spiellust gibt. Faszinierend sind die Frauen an Barneys Seite, der selbst alles andere als ein Adonis ist – dicklich, bärtig und glupschäugig dargestellt von Ausnahmetalent Paul Giametti.
Die Filmversion des letzten Romans von Mordechai Richler ist hochkarätig besetzt. Klug austariert spielen sich tragische Momente und köstliche Pointen einander die Bälle zu. Familienbande, Sucht, Liebe, Schuld, Alzheimer: ein wahrer Rundumschlag, der das pralle Leben Barneys oder eben seine Version vom Leben ausmacht. Dies wird in seiner ganzen Weite und Tiefe ausgelotet, und mitten in allem Schlamassel erscheint der Mensch – allen voran natürlich Barney – mit all seinen Unzulänglichkeiten erstaunlicher- und beglückenderweise immer wieder als liebenswertes Geschöpf.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Barney’s Version», Kanada 2010, Regie: Richard J. Lewis, Besetzung: Paul Giamatti, Rosamund Pike, Dustin Hoffmann, Minnie Driver, Scott Speedman; Verleih: Rialto Film AG, http://www.rialto.ch, Filmwebsite: http://barneysversion.ch
Kinostart: 11. August 2011
