Peepli
Nathas Situation scheint ausweglos. Als Bauer auf dem Land ist er in vollständiger Abhängigkeit der Geldverleiher und Grossgrundbesitzer. Ernteausfälle haben ihn und seine Familie an den Rand der Existenz getrieben. Doch es gibt einen Ausweg: Der indische Staat bezahlt bei Bauernselbstmord den Hinterbliebenen eine stattliche Summe. Natha entscheidet sich für diesen Weg und äussert seine Absicht öffentlich. Damit setzt er ungewollt einen Medienhype in Gang: Sensationsgier, politischer Wahlkampf, Intrigen und ein sozialkritischer Blick verbinden sich zu einer sehenswerten Medienkomödie. Wie wilde Horden fallen die Journalisten der TV-Stationen in das Dorf Peepli ein und schaffen neue Realitäten, die es vorher gar nicht gab. Es zählen nur noch die Einschaltquoten und der Konkurrenzkampf in der Medienarena.
Damit erzählt Anusha Rizvi eine universale Geschichte, die sich so auch in Europa oder Lateinamerika zutragen könnte. Die Story verweist dabei auf ein ernstes politisches Problem: In Indien bringen sich jährlich rund 17`000 Bauern um, weil sie dem Druck des globalisierten Agrarmarktes nicht mehr gewachsen sind. Sehr stark ist dabei das Schlussbild, das den negativen Helden als erschöpften Wanderarbeiter auf einer städtischen Baustelle zeigt. Komödie und Ernsthaftigkeit treffen aufeinander und gehen eine eindrückliche Verbindung ein.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Peepli» («live»), Indien 2010, Regie: Anusha Rizvi, Besetzung: Omkar Das Manikpuri, Rhaguvir Yadav, Malaika Shenoy; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.org/de/movies/Peepli_live
Kinostart: 2. Juni 2011
«Rabbit Hole» ist unser Film des Monats Mai und als pdf abrufbar.
Film-des-Monats-Archiv
| «Peepli» ist unser Film des Monats Juni und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv |
