Wenn weniger mehr ist
(medientipp) Die Kritik am ungehemmten Kapitalismus verursacht derzeit einen sozio-politischen Frühling. Die «Kontext»-Themenwoche widmet sich Konsumasketen, die mehr Glück in weniger wirtschaftlichem Wachstum propagieren.
Der Schweizer Konsumfreund mag sich freuen: Unsere Wirtschaft wächst und wächst. Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 hat sich das nominelle Bruttoinlandprodukt mehr als verdoppelt, und der Trend zeigt weiter steil nach oben. Ob ein tolles Auto oder ein Ferienhaus im Tessin – immer mehr Eidgenossen vermögen es sich zu leisten.
Weniger Freude daran finden in jüngster Zeit andere Gruppen, wie die Décroissance-Bewegung. Für sie ist das Bruttoinlandprodukt nicht gleich Wohlfahrt und Glück. Und bei stetigem wirtschaftlichem Wachstum stellt sich für sie die Frage, ob für Bedürfnisse nach Familie, Selbstverwirklichung oder dem Ausleben der eigenen Kreativität noch Platz bleibt. Aus diesem Grund fordern sie weniger Wachstum, dafür ein effizientes und vor allen Dingen suffizientes Wirtschaften. Das bedeutet im Endeffekt auch weniger Konsum und geringeren Energieverbrauch. Der Erfolg dieses Gedankenguts setzt Politiker, Ökonomen und Marketingstrategen nun unter Zugzwang. Auch ihnen stellen sich grundsätzliche Fragen wie: Wohin bewegt sich unsere Volkswirtschaft? Wie entwickelt sich die Schweizer Arbeitskultur? Und was verlangt der Konsument?
In den Sendungen «Kontext» und «Sternstunde Philosophie» nehmen sich DRS 2 und das Schweizer Fernsehen dieser Problematik an und beleuchten sie aus verschiedenen Blickwinkeln. In der ersten Sendung «Wenn weniger mehr wäre, und wie das geht» diskutieren der Ökonom Urs Gasche, die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher und Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institut über die Frage, ob eine kollektive ökonomische Enthaltsamkeit überhaupt umsetzbar wäre. Für die letzte Sendung hat Christoph Keller die Décroissance-Bewegung in Bern besucht. Bis vor kurzem war sie in der Schweiz noch unbekannt, auf einmal ist sie bei vielen hoch angesehen. Denn zahlreiche Menschen unterstützen deren Anliegen nach einer Zukunft ohne Wirtschaftswachstum.
Programmübersicht
Freitag, 3. Juni, 09:00 Uhr, DRS 2
Kontext-Debatte. Wenn weniger mehr wäre, und wie das geht
Sonntag, 5. Juni, 11:00 Uhr, SF1
Sternstunde Philosophie. Ich konsumiere, also bin ich
Montag, 6. Juni, 09:00 Uhr, DRS 2
Kontext. Wünsche und Begehren – eine unendliche Geschichte
Dienstag, 7. Juni, 09:00 Uhr, DRS 2
Kontext. Dreimal etwas weniger
Mittwoch, 8. Juni, 09:00 Uhr, DRS 2
Kontext. Abschied vom Wachstumswahn – eine ökonomische Perspektive
Donnerstag, 9. Juni, 09.00 Uhr, DRS 2
Kontext. Aktion «Lessness» – Basler Studierende probieren einen anderen Lebensstil
Freitag, 10. Juni, 09:00 Uhr, DRS 2
Kontext. Gefragt wie nie – die Wachstumskritiker
Begleitet wird die Woche mit einem Online- Dossier
