Die Vaterlosen
Als Hans stirbt, lässt er seine erwachsenen Kinder zu sich rufen. Nur Niki, der nicht sein leiblicher Sohn ist, kommt noch rechtzeitig. Vito und Mizzi stehen später trauernd, aber auch mehr oder weniger ratlos vor dem Leichnam ihres Vaters. Und dann kommt auch noch Kyra, jene Tochter, die schon als kleines Mädchen weit weggezogen ist, und von deren Existenz, Mizzi, die jüngste, gar nichts wusste. Ein Geheimnis verbindet ihre drei älteren Halbgeschwister. Am Totenbett des Vaters zeigt sich, wie wenig und wie unglaublich viel sie alle miteinander verbindet. In Rückblenden erschliesst sich eine Kindheit in einer Kommune. In einem schönen Haus irgendwo auf dem österreichischen Land wollte Hans mit einigen Frauen und Männern in freier Liebe leben. Alle mit allen, die Kinder wachsen mit mehreren Eltern auf. Doch die Utopie der besitzlosen Gemeinschaft bröckelt, und als sich Hans mit einer der Frauen in eine exklusive Zweisamkeit zurückzieht, zerbricht sie vollends.
Bindung und Freiheit, Liebe und Familienbande – die erwachsenen Protagonisten in Marie Kreutzers Film konfrontieren sich damit, was ihr Leben bisher ausgemacht hat und was sie sich wünschen. Dabei rückt die Frage, ob Hans überhaupt ein Vater war oder nicht mehr ein Spielkamerad oder weltfremder Ideologe immer mehr in den Hintergrund. Sehr dicht kommt so die Befindlichkeit einer Generation zum Tragen, die ihre Position im Leben erst finden muss.
Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch
«Die Vaterlosen», Österreich 2011, Regie: Marie Kreutzer, Besetzung: Andrea Wenzl, Philipp Hochmair, Andreas Kiendl, Marion Mitterhammer; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, http://www.xenixfilm.ch; Filmwebsite: http://www.dievaterlosen.at
Kinostart: 5. Mai 2011
