All that I love
Punkmusik und erste Liebe: der Sommer 1981 ist nicht nur für Janek und seine Freunde voller Aufbrüche. Auch die Erwachsenen um sie herum sind nervös. Zwar leben sie nicht in Danzig, aber auch in ihrer kleinen Küstenstadt ist die regimekritische Gewerkschaft Solidarność aktiv. So weht ein Hauch von Romeo und Julia durch den Film, wenn der Vater von Janeks Liebe Gewerkschafter ist, sein eigener jedoch Offizier. Die Lage ist gespannt, russische Soldaten zeigen Präsenz, im Winter ruft die Regierung das Kriegsrecht aus. So wird schliesslich schon ein kurzer Auftritt von Janeks Punkband zu einer Mutprobe für alle Beteiligten.
Das kraftvolle Coming-of-Age-Drama verbindet Punk und Politik ohne plakative Thesen. Eigentlich wollen Janek und seine Freunde nur Musik machen. Dass sie in ihren Songs von Freiheit und Liebe singen (oder eher schreien), wäre in jedem westlichen Land schnell als pubertärer Gestus abgetan. Doch so naiv sie erscheinen, sie spüren die Unruhe ihrer Eltern und suchen Kanäle für ihre eigenen Umbrüche und Sehnsüchte. Energiegeladen zeichnet der Film ihr Lebensgefühl nach, grundiert von der fragilen politischen Lage im Polen der 80er-Jahre, die den Niedergang des Ostblocks einleiteten. Ein international gefeierter Independentfilm mit einem überragenden Mateusz Kościuszkiewicz in der Hauptrolle, der zurecht als polnischer James Dean bezeichnet wurde.
Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch
«All that I love» («Wszystko, co kocham»), Polen 2009, Regie: Jacek Borcuch, Besetzung: Mateusz Kościukiewicz, Olga Frycz, Jakub Gierszal, Andrzej Chyra; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.allthatilove.pl/home
Kinostart: 7. April 2011
