Nostalgia de la luz

In der chilenischen Atacama-Wüste gibt es eine aussergewöhnliche Sicht ins Weltall. Hier stehen einige der weltweit wichtigsten Teleskope. Der Blick in die Unendlichkeit des Lichts ist aber auch ein Eintauchen in die Geschichte Chiles. Im Umkreis der Fernrohre sucht eine Gruppe von Frauen nach den Überresten ihrer Geliebten. Sie sind während der Militärdiktatur verschwunden und in Konzentrationslagern des Pinochet-Regimes inhaftiert worden. Von ihnen gibt es nur noch Staub, wie der Sternenstaub und das Licht aus dem Weltall.

Mit dem Schmerz der Verzweiflung suchen Victoria und Violeta nach Hinweisen auf Massengräber. Mit naturwissenschaftlicher Begeisterung suchen Gaspar und Lautaro nach den Ursprüngen des Weltalls – des Lebens überhaupt. Der Aufbruch in diese Zeit-Dimensionen und die Gegenüberstellung sind überraschend. Sie erschliessen neue Perspektiven für den Umgang mit der eigenen Geschichte. Fotos aus dem Weltraum stehen Fotografien von Arbeitslagern gegenüber. Die Bedingungen der Wüste haben alle Zeugnisse der Vergangenheit in mumifizierter Form erhalten. In einem Stillstand der Zeit werden die vergangenen Schrecken wieder präsent. Guzmán hat mit seiner doppelten Bewegung in die Vergangenheit einen meisterhaften Essay geschaffen. Zwischen den atemberaubenden Bildern der Galaxien und dem bleibenden Schmerz der Hinterbliebenen entsteht eine neue Sphäre der Trauer: die Nostalgie des Lichts.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Nostalgia de la luz», Chile 2010, Regie: Patricio Guzmán, Dokumentarfilm; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org; http://www.trigon-film.org/de/movies/Nostalgia_de_la_luz

Kinostart: 17. März 2011