Cyrus

Mit dem Phänomen der alleinerziehenden Mütter wächst auch das Phänomen der exklusiven Beziehung zwischen Mutter und Kind. Dies bekommt auch John zu spüren, der nach einer Trennung versucht, sich neu zu orientieren. Er trifft auf Molly, auf den ersten Blick die perfekte Frau für ihn. Bis John entdeckt, dass Molly mit ihrem erwachsenen Sohn Cyrus zusammenlebt. Damit beginnt ein Kampf zwischen dem «erwachsenen Baby» Cyrus und dem trennungsgeschädigten John. Cyrus versucht mit allen Mitteln der Manipulation und Vortäuschung den Nebenbuhler John aus dem Haus zu drängen. Mitten drin in dieser verstrickten Situation steht Molly, die selber nicht merkt, wie ungünstig sich ihre enge Beziehung zu Cyrus auf die aufblühende Liebesbeziehung auswirkt.

Im Stil des US-Independent-Films zeigen Mark und Jay Duplass eine dramatische Komödie mit überraschend realistischem Ausgang. Sie lassen ihre Schauspieler weitgehend improvisieren, was dem Film eine erstaunliche Frische und Direktheit gibt. Die Handkamera vermittelt einen starken Realismus, wie er aus den Dogma-Filmen bekannt ist. Das Drehbuch ist sehr gelungen und lässt auf überraschende und humorvolle Weise die seltsamen Auswüchse im Sozialverhalten eines Einzelkindes und seiner Mutter aufscheinen. Zum Glück gibt es Komödien, die mehr bieten als nur Schenkelklopfen, gerade wenn es um ein so ernsthaftes Thema geht.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Cyrus», USA (2010), Regie: Jay Duplass, Mark Duplass, Besetzung: Besetzung: John C. Reilly, Marisa Tomei, Jonah Hill, Catherine Keener; Verleih: Warner Bros. Pictures. Distributor of 20th Century Fox Film; Filmwebsite: http://www.foxsearchlight.com/cyrus

Kinostart: 25. November 2010