Bal
Eine Lichtung, in der sich einzelne Bäume abheben, Äste knacken, Bienen summen. Die Einganssequenz lässt den Augen und Ohren des Publikums Zeit, im tiefen Wald anzukommen. Hier geht Yakup seiner Arbeit als Bienenzüchter nach. Er muss hoch in die Bäume klettern, um die Bienenstöcke immer wieder umzuplatzieren. Sein siebenjähriger Sohn Yusuf folgt ihm gerne in die Natur. In der Schule lernt er gerade lesen. Sprechen oder besser flüstern, möchte er aber eigentlich nur mit seinem Vater. Doch dieser muss wegen der Bienenkörbe weit weg und bleibt länger aus als sonst.
Der Film macht sich die Sicht und das Erleben von Yusuf zu eigen. Seine staunenden Augen sehen im Wald mehr als bloss Bäume und flehen in der Schule um Anerkennung und Freundschaft. Auf der Leinwand passiert wenig, umso mehr soll sich in der Betrachterin oder dem Betrachter ereignen.
Auf der Berlinale 2010 gewann der stille Film neben dem Goldenen Bären auch den Preis der Ökumenischen Jury. In ihrer Begründung heisst es: «Yusufs Leben verweist auf die Verbindung des Menschen mit der Natur, von der wir nicht nur materiell, sondern auch spirituell leben, und betont dabei die familiären Beziehungen und das Engagement in der Gemeinschaft. ‹Bal› lädt dazu ein, diesen ‹Wald› tiefer zu erkunden und auf eine Reise zu gehen. Es spiegelt sich darin die menschliche Seele, die nach Idealen und nach Menschen sucht, mit denen wir gemeinsam leben können.»
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Bal – Honey», Türkei 2010, Regie: Semih Kaplanoğlu, Besetzung: Erdal Beşikçioğlu, Tülin Özen, Bora Altaş, Verleih: Trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org
Kinostart: 18. November 2010
«Bal» ist auf DVD bei trigon-film für 29 Franken erhältlich.
| «Bal» ist unser Film des Monats November. Der Film des Monats kann als pdf abgerufen werden: medientipp.ch/pdf/filmtipp_201011.pdf Das Film-des-Monats-Archiv: https://www.medientipp.ch/filmdesmonats |
